Technik

Wildtierfotografie

Tipps für einmalige Fotos

Wildtiere zu fotografieren ist quasi die Königsdisziplin eines (Hobby-) Fotografen. Bei der Wildtierfotografie kommt es nicht nur auf die passende Kamera mit optimalem Objektiv an, sondern du brauchst viel Wissen über die Wildtiere und ihr Verhalten, eine grosse Portion Geduld und nicht zuletzt auch Glück. Für die Geduld bist du selber zuständig, das Glück können auch wir nicht beeinflussen doch für das perfekte Equipment sowie die Technik zur Fotografie von Wildtieren können wir dir ein paar wertvolle Tipps geben. Im Dschungel von Guatemala haben wir uns auf die Pirsch gelegt und berichten dir hier von unseren Erfahrungen für die Wildtierfotografie.

Welche Kamera ist für Wildtierfotografie geeignet?

Auf unserer Reise durch Guatemala kam die Lumix G9 mit, eine ausgezeichnete Kamera für Wildtierfotografie. Ein grosser Vorteil der Kamera zur Fotografie von Wildtieren ist die 5-Achsen Bildstabilisation, die an der Belichtungszeit-Faustregel (Belichtung = Kehrwehrt Brennweite – Bsp. 300 mm = 1/300 Sekunde) rütteln lässt. Aus freier ruhiger Hand konnten wir bis zu 5 Blendenstufen gewinnen, bevor das Bild verwackelt. Gerade im eher dunklen Dschungel ein grosser Vorteil. Dazu der enorm schnelle Serienbildmodus mit bis zu 60 Bildern pro Sekunde – ein Traum für Wildtierfotografen. Wobei es hier durchaus Sinn macht, einen Gang zurück zu schalten. Denn auch 20 Bilder pro Sekunde sind noch unglaublich viele – und irgendjemand muss danach die geschossenen Fotos ja aussortieren. Dazu verfügt der frei dreh- und schwenkbare Touchscreen-Monitor über einen Nachtmodus – ebenfalls praktisch in dunkler Umgebung wie dem Dschungel.

Aber genug geschwärmt über unsere Kamera. Lass uns dir ein paar Tipps geben, damit auch du tolle Wildtierfotos machen kannst – unabhängig von deinem Kameramodell.

Unsere 11 Tipps zur besseren Wildtierfotografie

Tolle Fotos von Wildtieren sind nicht nur Glück, sondern vor allem das Können, den einen Moment, wo sich das Tier zeigt, perfekt zu nutzen. Dafür braucht es einiges an Vorbereitung, damit du bereit bist, wenn sich plötzlich etwas vor der Linse tut:

1. Kamera immer einsatzbereit in der Hand haben

Hört sich banal an, ist aber entscheidend. Taucht ein Affe vor dir im Baum auf, hast du keine Zeit, die Kamera aus dem Rucksack zu holen, einen leeren Akku zu tauschen oder das Objektiv zu wechseln. Für die Wildtierfotografie ist somit ein Objektiv mit grossem Brennweitenspektrum interessant. Beispielsweise Objektive mit 100-300mm ermöglichen eine relativ umfangreiche Nutzung für die Wildtierfotografie mit noch erträglichem Gewicht.

2. Beherrsche deine Kamera blind

Übe vorher unbedingt die schnelle Bedienung deiner Kamera. Blende, ISO, Verschlusszeit musst du blind verstellen können. Manuelles Fokussieren muss absolut sitzen, sonst bist du im Dschungel verloren.

3. Tiergeschwindigkeit entscheidet über Verschlusszeit

Überleg dir am besten vorab, welche Tierart/en du fotografieren möchtest. Es gibt träge Tiere, die lange still verweilen wie beispielsweise Echsen. Hier kannst du die Verschlusszeit länger ansetzen ohne Verwacklung zu riskieren. Hast du es auf Affen, Nager oder Vögel – speziell Kolibris – abgesehen, musst du alles daran setzen, die Verschlusszeit so kurz wie möglich zu halten.

4. Auge im Fokus

Betrachten wir Menschen ein Foto eines Lebewesens, schauen wir automatisch als erstes in die Augen. Deshalb musst du unbedingt darauf achten, dass die Augen scharf sind. Fokussiere deshalb auch bei Wildtieren gezielt auf die Augen, ist der Körper wegen geringer Tiefenschärfe unscharf, stört es beim Betrachten des Fotos später nicht.

Übrigens wirkt es am spannendsten, wenn du das Tier auf Augenhöhe fotografierst. Bei Vögeln in den Baumkronen zugegeben etwas schwierig, aber versuch einfach mal, was du hinkriegst. Denn einfach im Stehen drauf halten ist zwar bequemer, als auf dem Dschungelboden herumzukrabbeln, um beispielsweise Insekte zu fotografieren, aber spektakuläre Fotos erfordern nun mal vollen Körpereinsatz.

5. Reserven: Speicherkarten und Ersatzakkus

Da gerade sich schnell bewegende Tiere unbedingt im Serienbildmodus fotografiert werden sollten, brauchst du nicht nur Unmengen von Speicherplatz, sondern auch Akkuleistung. Pack deshalb unbedingt genug Reserven ein, schliesslich weisst du nie, was noch alles auf dem Rückweg passiert.

6. Gute Bilder sind kein Zufall: Bildgestaltung bei Wildtierfotografie

Informier dich vorab über die Gewohnheiten des zu fotografierenden Tieres. Zu welchen Tageszeiten ist es aktiv, wo sind Trinkstellen oder häufig genutzte Wege und wo findet es seine Nahrung? Bei solchen Stellen platzierst du dich und kannst, während du wartest, bereits einen spannenden Vordergrund ausfindig machen. Überleg dir, welche Geschichte dein Bild erzählen soll. Halte also nicht einfach drauf und hoffe auf dein Glück, sondern bestimm aktiv mit.

7. Wildtiere im richtigen Licht fotografieren

Wie fast immer entscheidet auch das Licht über ein gutes oder langweiliges Foto. Wildtiere im warmen Morgen- oder Abendlicht zu fotografieren, gibt den Bildern einen noch beeindruckenderen Touch. Im dichten Dickicht des Mittelamerikanischen Dschungels bist du hingegen meist froh um jedes bisschen Licht, das du einfangen kannst. Aber auch hier ist der Morgen magisch, wenn noch leichter Dunst über dem Boden hängt, die ersten Sonnenstrahlen schräg bis auf den Boden fallen und die Tiere zum Leben erwachen.

8. Klassische Bilder vs. Kreativität

Mittlerweile kennt wohl auch jeder Hobby-Fotograf die Drittel-Regel bzw. den Goldenen Schnitt zur optimalen Platzierung eines Objektes auf einem Foto. Platzier dein Wildtier also auf der Linie zwischen dem 1/3 und dem 2/3 bzw. zwischen 2/3 und 3/3 und lass auf die Seite, auf die das Tier schaut, den Leerraum. Nutze einen spannenden Vordergrund, um Tiefe ins Bild zu bekommen und arbeite gezielt mit Schärfe oder Unschärfe des Hintergrundes.

Nun sei dir aber gleichzeitig gesagt, dass du ruhig auch kreativ sein sollst. Es muss nicht immer das klassische Seitenportrait des Wildtieres sein. Frontaler Blick in die Kamera, das Tier mittig von hinten oder ein Vogel von direkt darunter – probiere aus und schau, was dabei rauskommt. Spannend ist oft auch, was man nicht alltäglich zu Gesicht bekommt.

9. Übung macht den Meister – schon Zuhause

Du hast bereits viele Tipps erhalten und sie alle kannst du bei dir vor der Haustür üben. Geh beispielsweise in Zoos, da sind die Tiere leichter zu finden und meist ruhiger unterwegs. Überleg dir etwas beim Fotografieren, gestalte den Bildausschnitt aktiv mit. Oder übe draussen im Freien. Gute Fotos von Katzen im Freien zu machen, ist beispielsweise nicht leicht. Beherrscht du Zoo und Katzen, wage dich an die heimischen Wildtiere. Füchse, Rehe oder Tauben gehören zur leichteren Beute. Versuch also auch Feldhasen, Dachse oder in den Bergen Steinböcke vor die Linse zu bekommen und spannende Schnappschüsse zu tätigen.

10. Persönliche Sicherheit bei der Wildtierfotografie nie vergessen

Vergiss nie deine persönliche Sicherheit beim Fotografieren von Wildtieren. Morgens vor Sonnenaufgang im unbekannten Dschungel durch den finsteren Wald stolpern, ist für unerfahrene Menschen sehr gefährlich. Orientierungsschwierigkeiten, rutschiger Untergrund – wer sucht dich, wenn du dich verletzt? – und nicht zuletzt wilde und teilweise giftige Tiere. Sei vorsichtig, such lokale Guides oder schliess dich mit mindestens einer weiteren Person zusammen. Erkunde das Gelände bei Tageslicht, informier dich über Gifttiere in der Region und informier jemanden über deine Pläne bzw. was zu tun ist, wenn du nicht zur angegebenen Zeit zurück bist. Kein Foto der Welt ist es wert, sich selber in Gefahr zu bringen.

11. Respekt gegenüber Tier und Natur

Als letzten und gleichzeitig wichtigsten Punkt bitten wir dich, niemals den Respekt gegenüber den Wildtieren und der Natur zu verlieren. Einerseits, weil Wildtiere unvorhersehbar reagieren können, wenn man sie in die Enge treibt oder sie beispielsweise mit Jungtieren bedrängt. Andererseits sind wir verantwortlich, dass weder die Tiere noch die Landschaft langfristigen Schaden von uns tragen. Verlasse in empfindlichen Naturregionen nie die Wege, füttere keine Wildtiere, um sie anzulocken und ihnen dadurch die Scheu vor Menschen zu nehmen. Füge den Tieren keinen Schaden zu, indem du wehrlose Geschöpfe anfasst oder gar umplatzierst (Beispiel Seesterne: Sie sterben, wenn man sie aus dem Wasser hebt!).


Hinterlasse nur Fussabdrücke und nimm einzig Erinnerungen mit – diese gerne auch in Form von tollen Fotos.